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Pressemitteilung vom 27.05.2009

Grüne und unicef prangern Genitalverstümmelung bei Mädchen an

Am Dienstagnachmittag wurde in den Räumlichkeiten von SOS und Verein Begegnung e.V. am Kornmarkt in Gera über ein Thema gesprochen, das in Deutschland eine wesentlich größere Rolle spielt, als mancher sich das vorzustellen vermag: Die Genitalverstümmelung an Mädchen und Frauen. Der Einladung der Geraer Grünen, auf dem Podium vertreten durch Christel Wagner-Schurwanz, war die zukünftige Europaparlamentarierin Ska Keller, derzeit noch Landesvorsitzende der Grünen in Brandenburg, und Claudia Poser von der unicef Gera gefolgt. Letztere nannte gleich in ihrer Einführung überraschende und bedrückende Zahlen: In Deutschland leben mehr als 59.000 beschnittene Frauen, eine Zahl mit hoher Dunkelziffer. Bei einer Umfrage unter 400 Gynäkologen gab die Hälfte an, bereits genitalverstümmelte Frauen behandelt zu haben. Ska Keller forderte deshalb, die konkrete Gefahr einer Genitalverstümmelung als Asylgrund anzuerkennen. Zudem müsse man offensiv über die Ausweitung straf- und zivilrechtliche Schritte nachdenken. So sei in Schweden eine Mutter verurteilt worden, an ihre beschnittene Tochter Schmerzensgeld zu bezahlen. Christel Wagner-Schurwanz erinnerte daran, dass die Bundesärztekammer deutlich zum Ausdruck brachte, dass den Opfern elementarste Menschenrechte versagt werden. Man war sich unter den Referentinnen einig, dass national eine Kontrolle durch Ärzte mit Meldepflicht ein sinnvoller Ansatz sei, dem Problem zu begegnen, europaweit sei es Sache der Europäischen Union, sich auf eine gemeinsame Handlungsstrategie zu verständigen. Es sei sehr wichtig, die Aufklärung in diesen Ländern zu vertiefen und den Täterinnen und Tätern andere Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten. Aber gerade Handelsboykotts oder mangelnde Förderung der Ursprungsländer dieser Quälerei werden dazu beitragen, dass die Zahl der Mädchen und Frauen, die ein Leben lang an den grausamen Folgen einer Genitalverstümmelung zu leiden haben, schnell und spürbar zurück geht.